Archiv für November 2010
Wo bleiben nur die Babys? Plädoyer für mehr Wachstum
Jahr für Jahr im November verkündet das Statistische Bundesamt aufs Neue, wie wenig Kinder in Deutschland geboren werden. Lange Zeit wurde dies von Politik und Gesellschaft gleichermaßen gleichgültig hingenommen, doch allmählich dürfte auch militanten Vermehrungsverweigerern klar sein, dass es mittelfristig eng wird – und zwar volkswirtschaftlich. Seit Monaten kreisen Schlagworte wie Fachkräftemangel und die von Thilo Sarrazin recht unsanft in Schwung gebrachte Integrationsdebatte wie Geier um die tägliche Berichterstattung. Themen also, die man in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen einfach nicht mehr loswird, die zunächst polarisieren, dann nerven und immer mal wieder für wenige Tage von einer Flutwelle überrollt oder sonstwie verdrängt werden. Aber sie kommen wieder, garantiert, denn für dauerhafte Verdrängung ist es zu spät.
Was kommt konkret auf uns zu? Seit Beginn der 70er Jahre sterben in Deutschland de facto jedes Jahr mehr Menschen, als am anderen Ende der Bevölkerungspyramide Babys das Licht der Welt erblicken. Mehr oder weniger intensive Wellen der Zuwanderung haben hierüber bislang hinwegtäuschen können, doch auch diese Wirkung verpufft zusehends, da die Armut an Kindern in Deutschland längst nicht mehr kompensierbar ist. Der Grund: Bei einer Geburtenrate von rund 1,4 Kindern je Frau verkleinert sich jede nachwachsende Generation automatisch um rund ein Drittel. Aktuell liegt die Rate sogar nur bei 1,36, was u. a. dazu geführt hat, dass 2009 rund 17.000 Kinder weniger geboren wurden als im Vorjahr. Ärgerlich.
Noch ärgerlicher ist jedoch, dass die Regierung mit Einführung der Elternzeit bereits seit drei Jahren ein äußerst kostspieliges Instrument einsetzt, das eigentlich zu mehr Freude am Kinderkriegen führen sollte. Der Plan geht – die Zahlen zeigen es – nicht auf, auch Geld scheint als Anreiz gescheitert. Schade zwar, aber vielsagend. Denn nun dürfte klar sein, dass lediglich ein gut, nein, optimal ausgebautes System der Kinderbetreuung zu einer positiven Entwicklung führen könnte. Da dies angesichts klammer öffentlicher Kassen jedoch noch Jahre in Anspruch nehmen dürfte, muss als Grund fürs Kinderkriegen einstweilen das schlechte Gewissen herhalten. Ansonsten wird es eng, versprochen! – Gerade für Babysitter.








